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Was geschah am 20. und 21.April 1945?

Bücher und Broschüren

20. April 1945

Im Bunker der Reichskanzlei herrscht eine bedrückende Stimmung, als gegen 10.00 Uhr Göring, Goebbels, Bormann, Keitel, Ribbentrop und andere "ihrem Führer" zum 56.Geburtstag gratulieren. Es sollte der letzte offizielle Auftritt vor dem nahenden Ende sein. An diesem Tage gibt Hitler seinen Entschluß bekannt, in Berlin zu bleiben. Man zählt den fünften Operationstag des Sturmes auf Berlin, auf das Zentrum des einstigen Großdeutschen Reiches.

Inzwischen treibt die Lage südlich von Berlin der Katastrophe entgegen. Um 10.50 Uhr meldet der Oberbefehlshaber der 9.Armee, General Busse, dem Heeresgruppen-Kommando telefonisch die sich anbahnende Einschließung der Südgruppe seiner Armee im Raum Cottbus - Lübben - Friedland - Lieberose. Gegen 12.00 Uhr erhält der Stab der 9.Armee die Information des Oberkommandos der Heeresgruppe Weichsel, daß die Spitzen der 3.sowjetischen Garde-Panzerarmee Baruth erreicht haben und dort nach Norden in Richtung Wünsdorf-Zossen einschwenken.

Im Hauptquartier des OKH in "Maybach I" und beim Wehrmachtführungsstab in Maybach II" löst die Meldung vom Einschwenken der beiden sowjetischen Panzerarmeen nach Norden eine hektische Betriebsamkeit aus. Noch immer ist vom OKW keine Antwort auf die schon vor mehreren Tagen beantragte Verlegung in den Südraum eingegangen. Die sich jetzt aber sehr schnell entwickelnde gefahrvolle Lage zwingt zum Handeln. Eben noch hatten die Militärs bei Geburtstagsappellen - auch in Zossen-Wünsdorf - ihrem Führer gedacht und nun werden in aller Eile die wenigen noch verfügbaren Kraftfahrzeuge beladen und abfahrbereit gemacht.

Um 15.00 Uhr passiert die erste Fahrzeugkolonne mit den Resten des einstmals zahlenmäßig so starken Hauptquartiers des OKH in hohem Tempo die Hauptwache des Stammlagers. Noch vor Erreichen der Ortsdurchfahrt Zossen wird die Kolonne von deutschen Flugzeugen mit Bordwaffen angegriffen. Zwei Kraftfahrzeuge bleiben brennend liegen. Die Piloten handeln in der festen Überzeugung, daß die angegriffene Fahrzeugkolonne zu den Spitzen der sich schnell nähernden sowjetischen Panzerverbände gehört. Kurze Zeit später folgt eine zweite Kolonne mit den Resten des Wehrmachtführungsstabes, die im Raum der Bunkersiedlung "Maybach II" zusammengestellt worden war. Während die erste Kolonne als Fahrtziel Potsdam-Eiche ansteuert, soll die zweite die Luftschutzschule in Wannsee erreichen. Gegen 20.00 Uhr treffen beide Fahrzeugkolonnen an ihren Bestimmungsorten ein.

21. April 1945

Nach erbitterten Kämpfen um Neuhof am Wolziger See und Überwindung der sumpfigen Flemmingwiesen erreichen die Truppen des 6.sowjetischen Garde-Panzerkorps und des 9.mechanisierten Korps der 3.Garde-Panzerarmee die Linie Wünsdorf Zehrensdorf-Töpchin. Von hier aus gelingt schließlich der Durchbruch durch die entlang des Nottekanals aufgebaute deutsche Verteidigungslinie und in den Nachtstunden auch die Einnahme und Besetzung der Stadt Zossen.

Um die Mittagszeit meldet der Kommandeur des 6.Garde-Panzerkorps, Generalmajor Mitrofanow, dem Armeestab die Einnahme der weitflächigen über und unter der Erde gelegenen Anlagen des Hauptquartiers des OKH im Stammlager Zossen. Die Hast, mit der diese von ihren Nutzern am Vortage geräumt worden waren, hatte keine Zeit für größere Zerstörungen gelassen. Auch die Bunker fallen weitgehend unversehrt in die Hände der Roten Armee.

Mit der fluchtartigen Räumung von Zossen-Wünsdorf muß nunmehr in allen Lagekarten das taktische Zeichen gelöscht werden, das seit Kriegsausbruch dort stets den Stammsitz der deutschen Heeresführung kennzeichnete. Das Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres hatte aufgehört zu bestehen. Und damit findet auch die Militärgeschichte von Zossen-Wünsdorf ein vorläufiges Ende. Niemand konnte zu dem Zeitpunkt voraussehen, dass sich die Garnisonsgeschichte von Zossen-Wünsdorf, allerdings nun mit veränderten Vorzeichen fortsetzen sollte.


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